"Ich ward von Copernicus entzückt ..."

Die 1477 gegründete Universität Tübingen ist im Zeitalter der Reformation das geistige Zentrum der süddeutschen Lutheraner und des Herzogtums Württemberg. 1536 verfügt Herzog Ulrich die kostenlose Unterbringung armer begabter Studenten im Tübinger Stift, um mehr Absolventen für treue Dienste in Kirche und Verwaltung gewinnen zu können.

Auch der aus einfachen Verhältnissen stammende Kepler profitiert von dieser Regelung und nimmt 1589 sein Studium zunächst an der allgemeinbildenden Artistenfakultät auf. Dort empfängt der begabte Student eine Vielzahl prägender geistiger Anregungen. 

Er studiert besonders intensiv die Werke der Neuplatoniker, deren Idee vom harmonischen Aufbau der Schöpfung ihn zutiefst beeindruckt.

Den größten Einfluß auf Kepler übt der Astronomieprofessor Mästlin aus, der ihn als väterlicher Freund mit den Lehren des Copernicus vertraut macht. Kepler sieht in der zentralen Stellung der Sonne eine Analogie zur Allmacht Gottes und wird deshalb zu einem überzeugten Verfechter des Heliozentrischen Weltbilds.

Kepler beendet das Grundstudium an der Artistenfakultät als Zweitbester. Das folgende Theologiestudium bestärkt seine Ablehnung der Abendmahlslehre Luthers. Dies macht eine Anstellung als Geistlicher in Ländern lutherischer Konfession unmöglich. Kepler nimmt daher noch vor Studienende die Stelle als Landschaftsmathematiker in Graz an.

 

Keplers erstes Quartalszeugnis

quartalszeugnis

Original: Evangelisches Stift Tübingen. Archiv K. 1, F. 1, Nr. 3 Sebastiani (20. Januar) 1590.

Im Stift erhalten die dort wohnenden Studenten Unterrichtsstunden, die der Wiederholung des Lernstoffes dienen. Die Leistungen der Schüler werden in einem Quartalszeugnis verzeichnet. Im Grundstudium stehen die Fächer Ethik, Dialektik (Logik), Griechisch, Hebräisch, Sphaera (Astronomie) und Physik auf dem Unterrichtsplan. Die Note A bezeichnet Spitzenleistungen.

 

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