Wesentlich einfacher lassen sich die Schleifenbewegungen erklären, wenn man annimmt dass sich die Sonne im Zentrum des Weltalls befindet, man also heliozentrisch denkt. Wenn die Erde einen sich langsamer bewegenden oberen Planeten einholt, kommt er von der Erde aus gesehen am Fixsternhimmel langsam zum Stillstand. Wenn die Erde ihn eingeholt hat, bewegt er sich scheinbar nach Westen, um bei zunehmender Entfernung von der Erde wieder nach Osten zu laufen. Steht die Erde mit dem Planeten und der Sonne auf einer Linie, spricht man von einer Oppositionsstellung des Planeten.

Wenn aber die Erde und die anderen Planeten sich um die Sonne bewegen, ist es unmöglich, den Planeten gleichzeitig eine tägliche Bewegung um die Erde zuzuschreiben. Also gehört zum Heliozentrischen Weltbild die tägliche Bewegung der Erde um ihre Achse. Eine solche Vorstellung ist aber für die Naturforscher vor Kepler nur schwer vorstellbar. Müsste bei einer Erdrotation von West nach Ost nicht ständig Ostwind herrschen und ein senkrecht nach oben geworfener Stein nicht weiter westlich auf den Boden fallen?

Diese Bedenken gegen die tägliche Rotation der Erde hat bereits Ptolemaios vorgebracht, als er sich mit Aristarch von Samos (300 -230 v. Chr) auseinandersetzt, der als erster die Idee der täglichen und jährlichen Bewegung der Erde aufgebracht hat. Die Verwerfung durch Ptolemaios lässt die heliozentrische Idee in Vergessenheit geraten.

Erst 1543 greift sie Copernicus (1473-1543) in "De Revolutionibus Orbium Coelestium" wieder auf. Allerdings steht für ihn die Sonne etwas abseits des Mittelpunktes des Weltalls und hat auf die Bewegungen der Planeten keinerlei Einfluss. Erst Johannes Kepler gelingt der Entwurf eines vollkommen Heliozentrischen Weltbilds, indem er der Sonne die Zentralstellung und eine Kraft zuschreibt, die die Bewegung der Planeten bewirkt.

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